Günstige Navigation fürs Motorrad

Richtige Motorradnavis sind teuer. Das lohnt sich nur, wenn man damit regelmäßig große Touren fährt. Also nicht für mich. Ich habe deshalb seit Jahren nach einer günstigeren Variante gesucht. Lange ohne Erfolg, aber jetzt wurde ich fündig!

Geht nicht

Ich habe in den letzten zehn Jahren verschiedene Versuche unternommen: z.B. mein seliges Nokia 6110 Navigator, das dank eingebautem GPS (damals im Handy eine absolute Ausnahme!), großem Display und spezieller Software angeblich so gut sein sollte wie ein richtiges Navi. Leider war das ein absoluter Flop. Das Handy hat gerne mal 15 Minuten oder länger gebraucht, um unter freiem Himmel die aktuelle Position zu finden. Und wenn es dann endlich losgehen konnte, hat es völlig unsinnige Strecken gewählt. Es war echt unbenutzbar. Später habe ich es mit einem Netbook (dem ersten EeePC) und einem externen GPS-Modul versucht. Das hat technisch erstaunlich gut funktioniert, scheiterte aber daran, dass es damals keine vernünftige Navigationssoftware für Windows gab. Später habe ich es dann mit meinem ersten Smartphone (Huawei Honor) und Google Maps versucht, aber die Routenplanung über externe Tools hat nie richtig funktioniert. Obendrein war es immer problematisch, dass Google Maps die Karten und die Streckenplanung aus dem Internet lädt. Für längere Touren und speziell im Ausland ein Ausschlusskriterium.

Geht doch!

Deshalb war ich richtig begeistert, als ich kürzlich die App Navigon Cruiser getestet habe. Ein gut funktionierendes Programm mit Offline-Navigation, einer wirklich tollen Roundtripfunktion und das zu einem fairen Preis: 3,99 € pro Monat, 19,99 € pro Saison oder 59,99 € für die unbegrenzte Nutzung sind deutlich günstiger als ein richtiges Navigationsgerät.

Mein Problem dabei war nur die Handhabung. Am liebsten wäre es mir gewesen, das Handy einfach in die Jackentasche und einen Ohrhörer ins Ohr zu stecken, und dann per Sprachansagen zu navigieren. Das hat aber aus verschiedenen Gründen nicht funktionert. Beim Navigieren saugt es ratzfatz den Akku leer, man braucht also eine dicke Powerbank oder ein Ladekabel. Beides ist umständlich, wenn das Smartphone in der Tasche steckt. Und auch das mit dem Ohrhörer hat nicht funktioniert: Die Ansagen waren zu leise, der Stöpsel ist ständig aus dem Ohr gerutscht. So ging das nicht.

Ein Halter muss her!

Ich habe deshalb schweren Herzens entschieden, dass ich doch lieber auf Sicht fahre, also mit dem Handy im Blickfeld und dann den Anweisungen auf dem Display folgend.

Aber wie befestigt man das Handy am besten? Ich habe mich durch gefühlt 100.000 Amazon-Produkte und die dazugehörigen Kommentare gewühlt und bin letztlich fündig geworden. Eine „TurnRaise CSK27N“-Universalhalterung inkl. USB-Anschluss für 18,99 Euro. Die ist einerseits relativ stabil, andererseits aber auch sehr flexibel und vielseitig einsetzbar.

Die Befestigung

Es liegen zwei unterschiedliche Kugelköpfe bei, die am Motorrad befestigt werden können. Der eine kann an einem Rohr (üblicherweise dem Lenker) befestigt werden, dank unterschiedlicher Halter auch an verschieden dicken Rohren. Der andere kann an einer Schraube befestigt werden, z.B. an der Lenkerklemmung oder einem Spiegel. Mein erster Versuch war, das Handy direkt mittig am Lenker zu befestigen. Schließlich ist es da genau im Blickfeld.

Der Kugelkopf zur Lenkerbefestigung

Um den verchromten Lenker zu schützen, habe ich eine Lage Gummi zwischengelegt, die leider nicht im Lieferumfang war. Das hielt super und ließ sich auch schön einstellen.

Smartphone als Navi am Motorrad

So kann man das Navi super sehen, aber dafür sonst nichts mehr. 🙂

Aber leider blockiert das Handy dort die Sicht auf die Instrumente, besonders auf die Kontrollleuchten. Auch der Schlüssel ist nur noch schwer erreichbar. Und mit einem Tankrucksack funktioniert das ebenfalls nicht so richtig gut.

Also habe ich den anderen Halter testweise am rechten Spiegel montiert. Das ist auch sehr stabil, gut zu sehen und nicht im Weg.

Handyhalter am Motorradspiegel

So funktioniert das schon besser. Das Handy sollte man übrigens relativ steil stellen, etwa wie die Spiegel. Sonst spiegelt sich die ganze Zeit der Himmel im Display und man sieht nichts.

Ist das auch sicher?

Eine für mich ganz entscheidende Frage war aber noch nicht beantwortet: Sitzt das Handy auch wirklich sicher? Auch bei hohen Geschwindigkeiten und Schlaglöchern? Die Frage kann ich mittlerweile bejahen. Die 4 Greifarme sitzen ziemlich stramm. Und zusätzlich liegt dem Halter ein Gummi bei, den man an den Ecken über das Handy zieht und es dadurch zusätzlich sichert. Bis jetzt hat das wunderbar funktioniert.

Das Handy sitzt sicher dank 4 Greifarmen und zusätzlichen Gummiriemen

Das Handy sitzt sicher dank 4 stabilen Greifarmen und zusätzlichen Gummiriemen.

Bei all diesen Greifarmen und Gummis muss man nur schauen, dass noch alle Bedienelemente und Buchsen erreichbar sind und keine Knöpfe unfreiwillig betätigt werden. Bei meinem Xperia Z1 klappt das, wenn ich es leicht außermittig platziere.

USB-Anschluss direkt im Halter

Wirklich toll finde ich, dass der Halter einen integrierten USB-Anschluss hat. Der liefert angeblich bis zu 3 Ampere und lädt damit mein Handy auch dann noch zuverlässig, wenn das Display im Dauerbetrieb leuchtet und das Navi im Hintergrund rechnet. Bei anderen Ladegeräten hatte ich da schon Probleme.

Der Strom für die Buchse kommt über ein ausreichend langes Kabel, das man an die Batterie anschließen kann. Ein Wermutstropfen: Es ist keine Sicherung enthalten. Ich habe deshalb eine fliegende 10A-Sicherung nachgerüstet. Außerdem habe ich das Kabel nicht direkt an die Batterie geklemmt, sondern es mit einem Stecker versehen, der gut geschützt aber auch leicht erreichbar unter dem Tank sitzt. So kann ich den Halter auch ohne Werkzeug schnell demontieren.

Blaues Licht. Leuchtet blau.

Blaues Licht. Leuchtet blau. 😉

Die USB-Buchse ist blau beleuchtet, was einerseits ein bisschen albern ist, beim Einstecken des Kabels aber tatsächlich hilft und außerdem anzeigt, ob die Buchse einngeschaltet ist. Diese lässt sich nämlich über einen kleinen Schalter ausschalten, damit sie die Motorradbatterie bei ausgeschaltetem Motor nicht leersaugt. Natürlich könnte man das Kabel auch an Zündplus anschließen, damit das Handy nur bei eingeschalteter Zündung lädt, aber ich finde es so eigentlich besser.

Buchse und Schalter sind übrigens dank Gummiabdeckung spritzwassergeschützt. Ziemlich durchdacht das Ganze. Ich habe es außerdem so montiert, dass Buchse und Kabel nach unten zeigen, das schützt zusätzlich vor Wasser.

Die USB-Buchse und der Schalter sind spritzwassergeschützt.

Mein Fazit:

Der Halter ist für den günstigen Preis erstaunlich stabil und alltagstauglich und die App Navigon Cruiser ist so ausgereift, dass sie eine echte Alternative zu einem Navigationsgerät ist. Okay, das Ganze ist nur bedingt regentauglich und die Bedienung mit Handschuhen funktioniert nicht so gut wie bei manchem Navi. Aber wenn man bedenkt, dass mich der Spaß inkl. App, Halter und zusätzlicher Sicherung keine 25 Euro gekostet hat, kann ich damit sehr gut leben!

 

Martin

Martin

Schraubt gerne an seinen Motorrädern rum. Wenn sie danach noch funktionieren, fährt er auch gerne eine Runde. Beides mit überschaubarem Können aber viel Herzblut.

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2 Gedanken zu „Günstige Navigation fürs Motorrad

  1. Hallo Martin,
    neben einem Naviprogramm namens Scenic benutze ich auch das Navigon Cruiser. Obwohl ich am liebsten der Nase nach fahre, hat es mir schon sehr schöne Strecken gezeigt, die ich ohne Navi nie gefunden hätte, so diesen Sommer in der Picardie in Frankreich. Ich packe das Handy immer ins Kartenfach am Tanrucksack, den ich bei längeren Stecken sowie aufgeschnallt habe. Die passende Old-school-Karte liefert noch eine schöne Übersicht und ich weiß trotz Navi wo ich bin 😉
    Allerdings funktioniert die ganze Geschichte nicht mehr mit aufgezogener Regenhülle.
    Der von Dir beschriebene Halter schützt das Handy nicht vor Regen. Wie löst Du das?
    Grüße
    Martin

    • Ja, du hast recht, der Wetterschutz ist ein Problem. Da für mich aber längere Touren zur Zeit (leider!) kein Thema sind, habe ich damit auch kein Problem – ich fahre einfach keine Touren, wenn es nach Regen aussieht. 😉
      Alternativ könnte man versuchen, das Handy in eine wasserfeste Hülle zu stecken. Die gibt es sehr billig und damit müsste das Smartphone auch in den Halte passen. Problematisch wäre dann nur der Anschluss des Ladekabels, aber auch das bekäme man vermutlich irgendwie gelöst.

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