Motorentlüftung mal anders

Da bei meiner kleinen Katana der Luftfilterkasten rausgeflogen ist, hing der Entlüftungsschlauch lose in der Gegend rum. Das konnte so nicht bleiben. Aber was macht man damit am besten?

Wozu eine Motorentlüftung?

Viertakt-Motoren haben im Gegensatz zum Zweitakter einige „unnütze“ Hohlräume: Kurbelgehäuse, Steuerkettenschacht und der Zylinderkopf mit dem Ventiltrieb. Und natürlich (wie beim Zweitakter) das Getriebe. Überall dort gibt es Luft und damit auch Druckschwankungen. Einerseits dadurch, dass sich die Luft im warmen Motor ausdehnt, andererseits durch die Bewegungen der Teile (vor allem der Kolben) und Druckverluste aus den Brennräumen (Blowby-Gase).

Wären die Hohlräume verschlossen, könnte es durch den steigenden Druck im Inneren Probleme geben. Motoren haben deshalb eine Motorentlüftung, über die Luft entweichen kann. Es entweicht aber natürlich nicht nur Luft, sondern auch Kondenswasser, Öldämpfe und sogar geringe Mengen von unverbranntem Sprit und Abgasen aus den Brennräumen.

Ganz früher hat man diese Mischung einfach über einen Schlauch unter den Motor geführt und dort in die Umwelt entlassen. Das funktioniert für den Motor super, ist aber für die Umwelt nicht so toll. Deshalb wird der Schlauch normalerweise in den Luftfilterkasten geführt. Die verunreinigte Luft wird dann vom Motor angesaugt und die Öl- und Spritreste werden einfach mitverbrannt. Problem gelöst. Mitunter kommt aber mehr Öl, Wasser und anderer Schlonz aus der Motorentlüftung, als vom Motor angesaugt werden kann. Das sammelt sich dann unten im Luftfilterkasten. Einige Motorräder (z.B. die Bandit) haben deshalb einen weiteren Schlauch vom Luftfilterkasten unter den Motor, der mit einem Stopfen verschlossen ist. Hin und wieder sollte man den Stopfen rausziehen und das Kondensat ablassen. Da es normalerweise nicht viel ist, kann man das z.B. mit einem alten Lappen aufsaugen und guten Gewissens im Restmüll entsorgen.

Nun zum praktischen Teil

Was habe ich an der GSX für Möglichkeiten? Einfach einen langen Schlauch ran und unter dem Motor enden lassen? Würde gehen, könnte aber sein, dass der TÜV (zu recht!) meckert. Einen Luftfilter bzw. Luftfilteranschluss anbohren und den Schlauch da reinstecken? Will ich eigentlich nicht. Wie sähe das aus? Und was, wenn mir da größere Mengen Wasser und Öl in den Vergaser laufen? Ich bräuchte also so etwas wie einen Sammelbehälter mit zwei Löchern. Eines, wo der Schlauch reinführt, eines, wo die Luft raus kann. Im Grunde würde ein altes Marmeladenglas oder eine leere Bierdose reichen, aber die wären viel zu groß und obendrein hässlich.

Ich hatte zuerst an einen Bremsflüssigkeitsbehälter gedacht. Da müsste man nur noch eine Belüftungsöffnung reinbohren. Aber dann bin ich über diesen hübschen Benzinhahn einer Royal Enfield gestolpert (auf dem Foto bereits zerlegt und schwarz lackiert):

Royal Enfield Benzinhahn

Der hat die 2 benötigten Anschlüsse. Er hat ein hübsches Schauglas, durch das man sieht, ob man das Kondensat ablassen muss. Er hat einen kleinen Messingfilter, der den Ölnebel aus der Luft filtert. Er hat genau die richtige Größe. Und er kostet gerade mal etwas über 10 Euro.

Also schnell bestellt, etwas aufgehübscht und mit einer selbst angefertigten Schelle und Befestigungsdraht rechts an die Vergaserbank geschraubt:

Motorbelüftung Eigenbau

Sieht gut aus, oder? 🙂

Die Befestigung ist flexibel genug, dass sie die Vibrationen des Motors dämpft. Aber fest genug, damit es nicht rumwackelt. (Zumindest hoffe ich das.)

Jetzt muss ich nur noch ausprobieren, ob es auch funktioniert.

Martin

Martin

Schraubt gerne an seinen Motorrädern rum. Wenn sie danach noch funktionieren, fährt er auch gerne eine Runde. Beides mit überschaubarem Können aber viel Herzblut.

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