Selbst schuld

oder: Wie ich mit dem Racer nach Zittau fuhr und dabei fast wahnsinnig wurde. Ein Reisebericht für Schmerzfreie und solche, die es gerne wären.

Warnung: Der folgende Text ist sehr lang, sehr ausschweifend und weitestgehend sinnfrei. Außerdem habe ich ziemlich viel rumfabuliert. Immerhin gibt es ein paar Fotos zur Auflockerung.

Vorbemerkung

Ich bin eigentlich niemand, der viel jammert. Ganz im Gegenteil, ich bemühe mich immer, nur das Positive zu sehen und alles mit Humor zu nehmen. Und für den Fall, dass auch das nicht klappt, habe ich noch eine Familienpackung Fatalismus auf Lager.

Die folgende Geschichte funktioniert aber nicht ohne Gejammer. Sie würde dann nämlich so aussehen:

Ich bin mit meinem Ratracer zum MZ-Treffen nach Zittau gefahren. Die Fahrt war lang. Abgesehen von einem Regenschauer war das Wetter super. Es gab ein paar kleine Pannen und ich bin wohlbehalten zuhause angekommen.

Geschichte zuende. Das stimmt zwar irgendwie. Aber eben auch nur irgendwie. Deshalb komme ich um das Jammern nicht herum. Und das Schlimmste ist: Ich jammere nicht über Schicksalsschläge, die mich unerwartet und unverdient getroffen haben. Sondern über Dinge, für die ich größtenteils selbst die Verantwortung trage. Man möge sich deshalb bei jedem Jammern ein „Ja, ich weiß, selbst schuld“ dazudenken. 😉

Dabei hätte alles so einfach sein können. Ich hätte mit der Bandit fahren können. Gepäck in den Koffern, vernünftige Motorradklamotten an, auf der Autobahn mit 160 km/h dahinrollen, vielleicht gegen die Langeweile ein Hörbuch hören. Nach ein paar Stunden wäre ich tiefenentspannt am Ziel gewesen.

Aber nein, ich wollte ja mit dem Racer fahren. Durch Tschechien. Was kann da schon schiefgehen?

Naja, mal abgesehen davon, dass der Racer einfach nicht langstreckentauglich ist. Die Sitzbank ist knüppelhart, die Sitzposition auf Dauer unbequem und Gepäck bekommt man auch nicht unter. Das Gepäck habe ich deshalb auf das Minimum reduziert. Auf Zelt und Isomatte konnte ich verzichten, da mir jemand sein Zelt vor Ort zur Verfügung gestellt hat. (Danke René!) Blieben noch Schlafsack, Regenkombi, Waschzeug, Wechselklamotten, Zweitaktöl, Fotoapparat und ein bisschen Kleinkram. Die schweren Sachen kamen in den Tankrucksack, die leichten in den Rucksack auf meinem Rücken. Klingt eigentlich ganz okay.

Die Route sollte – wie gesagt – durch Tschechien gehen, und zwar abseits von Autobahnen. Von Würzburg nach Zittau sind das laut Google knapp 500 km. Insgesamt also gut 1000 km. Ziemlich viel auf einem Motorrad, auf dem es nach 2 Stunden unbequem wird. Also habe ich für An- und Abreise je einen Zwischenstopp mit Übernachtung bei meinen Eltern im Fichtelgebirge eingeplant. 1000 km in vier Tagen? Sollte machbar sein.

Und da ich keine Lust auf Karte lesen hatte, habe ich vorher alles in Google Maps geplant. Habe mir bei kurviger.de eine schöne Route rausgesucht, in Google Maps grob nachgebaut, auf’s Handy geschickt und dann die Karte heruntergeladen, um in Tschechien auch ohne teure Internetverbindung navigieren zu können. Ein bombensicherer Plan.

Tag 1: Würzburg – Fichtelgebirge

Quelle: www.google.de/maps

Die Fahrt in Würzburg startet Freitag Nachmittag um 15 Uhr. Im dichtesten Feierabendverkehr. Es dauert fast eine dreiviertel Stunde, bis ich am Ortsausgangsschild vorbei bin. Da tun mir die Schultern und Handgelenke schon höllisch weh, weil ich die ganze Zeit das Gewicht meines Oberkörpers und Rucksacks abstützen muss.

In der Fränkischen Schweiz

In der Fränkischen Schweiz

Wenig später tut auch mein Hintern weh. Dabei hatte ich mir extra ein Stück Schaffell(-Imitat) auf den Sitz geschnallt, das aber nach kurzer Zeit plattgesessen ist. Ein Blick auf den Tacho offenbart: Ich habe schon volle 20 Kilometer hinter mich gebracht. In Worten: Zwanzig! Von insgesamt über 1000! Das kann ja noch heiter werden. Bei Kilometerstand 39 gelange ich zu der Erkenntnis, dass das Ganze eine verdammt schlechte Idee war und ich besser umdrehen sollte. Es bleibt bei der Erkenntnis.

Heiligenstadt

Heiligenstadt

Ich mache unterwegs einen kleinen Abstecher nach Heiligenstadt, wo ich auch schon an zwei  MZ-Treffen teilgenommen habe. Demnächst vielleicht das dritte Mal.

Kathie Bräu in Aufseß

Kathie Bräu in Aufseß

Bei der Kathi Bräu, DEM Motorradtreffpunkt in der Fränkischen Schweiz, lege ich dann eine erste, längere Pause ein, weil ich kaum noch sitzen kann. Arme, Hände und Hintern tun ja schon von Anfang an weh, aber mittlerweile schmerzt auch das Genick ganz ordentlich. Der Grund ist, dass ich aus Sicherheitsgründen den Integralhelm aufgesetzt habe. Und der geht über der Stirn ziemlich weit runter. Um die Straße zu sehen, muss ich den Hals bei gebückter Sitzhaltung also extrem nach hinten überstrecken, was auf Dauer sehr unangenehm ist.

Von Aufseß aus geht es weiter durch die Fränkische Schweiz, durch Hollfeld, Bayreuth, Bad Berneck.

Bad Berneck. Sieht aus wie in Tschechien.

Bad Berneck. Sieht aus wie in Tschechien.

Die restlichen 100 km bis zum ersten Tagesziel bringe ich damit zu, die optimale Sitzposition zu suchen. Leider kann ich sie nicht finden.

Im Fichtelgebirge - kurz vor dem Ziel

Im Fichtelgebirge – kurz vor dem Ziel

Fazit Tag 1:

  • 180 km Land- und Bundesstraßen
  • etwa 3 Stunden Fahrtzeit
  • Schmerzlevel (auf einer Skala bis 10): gute 8

Tag 2: Fichtelgebirge – Tschechien – Mittelherwigsdorf

Die Karte zeigt die „Ideallinie“, nicht die tatsächlich gefahrene Strecke. 😉 Quelle: www.google.de/maps

Bei der Abfahrt bin ich trotz schmerzenden Steißbeins guter Dinge und freue mich auf die Fahrt. Oh, wie sollte ich mich geirrt haben. 🙂

Bis zum Grenzübergang Schirnding sind es knapp 40 km, aber eine Sperrung mit großräumiger Umleitung macht daraus deutlich mehr. Ein Phänomen, das ich an diesem Tag noch öfters erleben werde. Hinter der Grenze tanke ich. 11 Liter bei 222 km. Macht einen Schnitt von unter 5. Das hatte ich ja noch nie! Meine Euphorie wächst ins Grenzenlose.

Tanken bei Cheb

Tanken bei Cheb

Was aber nur bedeutet, dass sie um so tiefer fällt, als ich mein Navi einschalte. Google teilt mir mit, dass die Offline-Navigation mit heruntergeladenen Karten keine Wegpunkte und auch keine Routenoptionen (Autobahnen meiden) unterstützt. Ich solle mich doch bitte auf dem direkten Weg zur Autobahn begeben. Über Zwickau und Dresden wäre ich dann in ein paar Stunden am Ziel. Na danke. Wozu habe ich die Route eigentlich stundenlang geplant?

Also kaufe ich mir an der Tankstelle eine tschechische Straßenkarte und stürze mich ins Abenteuer. Das kann doch so schwer nicht sein, einen schönen Weg durch Tschechien zu finden! Und zwar abseits der Autobahnen, die kosten nämlich Geld und ich will ja was vom Land sehen. Also Karte in den Tankrucksack und frohen Mutes los!

(Nachtrag: Ich wurde in den Kommentaren zu recht darauf aufmerksam gemacht, dass Motorradfahrer in Tschechien gar keine Autobahnmaut zahlen müssen.)

40 Minuten später stehe ich wieder vor der gleichen Tankstelle. Verfahren. Ich rede mir ein, dass dieser Umweg eine Ausnahme war und ab sofort alles glatt gehen wird. Ohne Erfolg. Ich rede mir ein, dass das Einreden erfolgreich war. Ohne Erfolg. Ich gebe auf und fahre los.

Tschechische Straße mit tschechischen Bäumen

Tschechische Straße mit tschechischen Bäumen

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs zur tschechischen Straßenbeschilderung. Die Tschechen haben nämlich einen eigenartigen Humor.

1. Sie schreiben auf ihre Wegweiser generell nur den nächsten Ort. Und wenn der Ort nur aus zwei Häusern besteht und auf keiner Karte zu finden ist? Egal. Nur der nächste Ort. Und wenn direkt hinter dem Ort mit den zwei Häusern ein relativ großer Ort kommt, z.B. Karlovy Vary oder Chomutov? Wäre es dann nicht eine gute Idee, diesen Ort auch auszuschildern? Nein, nur der nächste Ort. Ende der Diskussion.

Das bedeutet aber leider, dass der ortsunkundige Kradfahrer an jeder, wirklich jeder noch so kleinen Kreuzung anhalten und die Karte auspacken muss, um sich zu orientieren. Tja, das ist dann eben so, denken sich die Tschechen. Dann kann der Kradfahrer wenigstens seinen schmerzenden Hintern kurz entlasten. Sie meinen es ja nur gut, die Tschechen.

2. Die Tschechen haben aber noch viel mehr Humor. Wenn sie z.B. eine Straße sperren, dann hängen sie gerne ein Hinweisschild auf. EIN Hinweisschild. Wirklich nur eines. Irgendwo, 20 km vorher. Wäre ja zu einfach, wenn man an großen Kreuzungen noch einmal darauf hingewiesen würde. Und sie lassen auch all die Schilder, die den Weg über die gesperrte Straße weisen, unverändert. Die werden nicht etwa durchgestrichen oder abgedeckt oder mit Umleitungsschildern kombiniert. Neee, das wäre ja albern.

Wer kein Tschechisch lesen kann, ist klar im Nachteil

Wer kein Tschechisch kann, ist klar im Nachteil.

Und so kommt es, dass der bereits erwähnte und im Kartenlesen geschulte Kradist plötzlich vor einem Abgrund steht. Der Blick auf die Karte beweist: Hier sollte eine Straße sein. Der Blick auf den Abgrund beweist: Dem ist nicht so. Nichts, was auch nur an eine Straße erinnert. Stattdessen eine saubere Kante im Asphalt, danach etwa 5 Höhenmeter, die man allenfalls fallend überwinden könnte, dann mehrere hundert Meter Schutt und Geröll.

Der Kradist wendet, fährt 10 km bis zum letzten Ort zurück und schaut sich die Wegweiser an. Kein Hinweis auf eine Sperrung. Hmmm, der Kradist zweifelt an seiner Wahrnehmung. Er fährt aus Mangel an Alternativen also wieder zurück. Bzw. vor. Die gleichen 10 Kilometer nun schon zum dritten Mal. Er steht wieder vor dem Abgrund und fragt sich, wie lange er wohl in den Abgrund blicken muss, bis der Abgrund zurückblickt.

Da kommt ein sympathisches Mütterchen auf einem Baumarktroller aus einem Waldweg. Der Kradist nickt freundlich und fragt mittels Gesten, ob man über den Waldweg den Abgrund umfahren kann. Das Mütterchen nickt. Und die 3 PKWs, die während dieser „Unterhaltung“ eben diesen Waldweg befahren, beweisen, dass sie Recht hat. Doch als das Mütterchen mitbekommt, dass der Kradist Deutscher ist, wird sie plötzlich hektisch, gestikuliert wild, zeigt den Waldweg entlang und sagt nur immer wieder „Policia, Policia“. Der Kradist versteht das so, das dieser Weg wohl nur für Ortskundige freigegeben ist. Ortsfremde mögen bitte die nicht ausgeschilderte Umleitung nehmen. Ein gemeinsamer Blick von Kradist und Mütterchen auf die Karte weist den Weg, der allerdings mindestens 40 Kilometer länger ist. Der Kradist seufzt und ergibt sich in sein Schicksal. Und fährt die 10 Kilometer zum letzten Ort zum vierten Mal.

Post-sowjetischer Industrie-Charme

Post-sowjetischer Industrie-Charme

Immerhin ist das Wetter perfekt und die Landschaft schön. Ich wechsele deshalb wieder frohen Mutes in die erste Person und freue mich über meine schöne Tour. Umweg? Pah, davon lasse ich mir doch nicht die Laune verderben. Der Weg ist bekanntlich das Ziel. Und mehr Weg bedeutet mehr Ziel. Eine Win-Win-Situation. Wenn nur nicht alles so wehtun würde. Warum sind die Straßen in Tschechien eigentlich so buckelig?

Wenig Verkehr, gute Straßen

Wenig Verkehr, gute Straßen, aber etwas buckelig

Geschätzte 20.000 Kartenlese-Stopps und ungezählte Kurswechsel und Umwege später sehe ich aus dem Augenwinkel ein „Achtung, Straßensperrung„-Schild vorbeihuschen. Oh nein, nicht schon wieder. Wo mir doch alles so wehtut. Aber es bringt ja nichts und ich habe keine Lust, schon wieder in einen Abgrund zu blicken. Also fahre ich den Umweg über Česká Lípa, der mich mindestens 50 Kilometer und eine Stunde kostet.

Am Abend erfahre ich übrigens von mehreren MZlern, dass auch sie diese Strecke gefahren sind, sich aber dachten „Pah, Streckensperrung, da komme ich schon irgendwie durch.“ Und sie sind durchgekommen, von Abgründen oder sonstigen Hindernissen keine Spur. Tja, manchmal verlierst Du und manchmal gewinnen die Anderen.

Und so quäle ich mich brav über Česká Lípa, inmitten einer Kolonne von LKWs mit einer Spitzengeschwindigkeit von 40 km/h. Über Schlaglöcher, aufgefräste Straßen und Schotter. Der Hintern tut zwischenzeitlich fast nicht mehr weh. Was aber nur daran liegt, dass die Rückenschmerzen alles andere überstrahlen.

Die Bushaltestellen sind überraschend wohnlich eingerichtet

Die Bushaltestellen sind überraschend wohnlich eingerichtet

Ich könnte jetzt eigentlich zum Ende des zweiten Tages kommen. Aber das wäre zu einfach. Schließlich habe ich mir auch die ganze Zeit gedacht, dass es jetzt eigentlich gut sei. Dass die Fahrt ein Ende finden könnte. Ich hatte alles gesehen, was ich sehen wollte. Ich wollte nur, dass es zuende ist.

Aber es war nicht zuende.

Es ging weiter.

Immer weiter.

Ohne Ende.

Kein Ende in Sicht

Kein Ende in Sicht

Irgendwann steht dann doch noch Varnsdorf ausgeschrieben, mein lang ersehnter Grenzübergang. Mir war vorher noch nie aufgefallen, wie quälend lang und holperig Varnsdorf ist. Und Größschönau. Und Hörnitz. Egal. Irgendwann ist es vorbei.

Das Ende ist nah

Und dann stehe ich kurz vor Mittelherwigsdorf, meinem Ziel, und da steht ein Schild „Straße gesperrt wegen Sprengarbeiten.“ Und ich denke mir nur „Leckt mich doch alle am A….. Wenn es mich jetzt zerreißt, dann sind wenigstens die Schmerzen weg.“ Also fahre ich mittendurch und stehe wenig später, ungesprengt, in Mittelherwigsdorf und wähne mich – oh welch Trugschluss – am Ende meiner Qualen.

Da weiß ich noch nicht, wie lang Mittelherwigsdorf ist. Und dass es mittendrin noch mal gesperrt ist. Ich stehe jedenfalls nach 2 weiteren Umwegen und Kurswechseln vor einer Baustelle, durch die ein Fußweg führt, der sehr eng und verwinkelt ist und zu beiden Seiten von Bauzäunen begrenzt. Sein Ende ist nicht absehbar und so wende ich und suche einen anderen Weg. Zum 1000. Mal an diesem Tag.

5 Minuten später stehe ich vor einem Privatweg, an dem ein großes, frisch gemaltes Schild „PRIVATWEG. DURCHFAHRT VERBOTEN“ hängt. Ich wende also und suche einen anderen Weg. Zum 1001. Mal an diesem Tag.

Kurz danach stehe ich wieder vor einem Privatweg. Ich fahre einfach durch. An einer Gaststätte vorbei. Vor der Gaststätte steht eine Hochzeitsgesellschaft. Die Leute sehen mich irritiert an. In meinen Augen blitzt der Wahnsinn. Ich rase mittendurch.

10 Minuten später bin ich am Ziel und kann es kaum glauben.

Endlich am Ziel

Endlich am Ziel

Alle waren gut drauf, haben mich begrüßt und sich gefreut. Und keiner wusste von den Schmerzen und den Umwegen und den Abgründen. Und ich habe mich gefragt, ob sich Soldaten so fühlen, wenn sie aus dem Krieg zurückkommen und doch nicht ankommen.

Wenn man genau hinsieht, findet man auch die eine oder andere MZ

Wenn man genau hinsieht, findet man auch die eine oder andere MZ

Ich hab mir dann erst mal ein Bier geholt. Hat geholfen. 🙂

Was es nicht alles gibt. Eine E-Schwalbe

Was es nicht alles gibt. Eine E-Schwalbe

Zum MZ-Treffen selbst werde ich nicht viel schreiben. Nur so viel: Die Organisatoren leisten mal wieder super Arbeit. Die Stimmung ist toll und nachdem ich wieder aufrecht stehen kann, unterhalte ich mich mit vielen Leuten, trinke ein paar unglaublich leckere Biere und habe sehr viel Spaß.

Von wegen in der DDR war alles trist und grau. MZetten gab's auch in bunt und Farbe.

Von wegen in der DDR war alles trist und grau. MZetten gab’s auch in bunt und Farbe.

Und noch ein paar MZetten.

Und noch ein paar MZetten.

Um viertel 12 liege ich (relativ nüchtern) im Schlafsack und bin verdammt froh, dass der Tag trotz allem so schön endet.

Ein echter Traum, so eine BK 350.

Ein echter Traum, so eine BK 350. Und der Sitz sieht verdammt bequem aus.

Fazit Tag 2:

  • 400 km Landstraßen (davon 100 km Umwege!)
  • etwa 8 Stunden Fahrtzeit
  • Schmerzlevel (auf einer Skala bis 10): 14. Neee, 18.

Tag 3: Mittelherwigsdorf – Fichtelgebirge

Quelle: www.google.de/maps

Am Morgen bin ich topfit und frühstücke erst einmal ausgiebig.

Für die Rückfahrt habe ich mir was Feines ausgedacht: Tschechien ist für mich gestorben. Zwar bin ich mir sicher, das ich den den Rückweg schneller und mit weniger Umwegen  finden würde, aber die Sperrungen sind trotzdem da und wer weiß, was noch alles für Probleme auftauchen würden. Ich habe aber auch keine Lust auf stundenlanges Autobahngekloppe. Und auf Landstraßengegurke in Deutschland mit ständigem Kartelesen und Verfahren habe ich erst Recht keine Lust.

Die Lösung: Ich schließe mich einer Gruppe aus der Nähe von Jena an und fahre mit denen bis Chemnitz. (Vielen Dank an Ralf, Christof und Stelue für die Einladung!) Und von dort soll es dann über die Autobahn zu meinem letzten Zwischenstopp im Fichtelgebirge gehen, was unter guten Bedingungen in knapp 2 Stunden machbar wäre. Unter guten Bedingungen. Ich komme später darauf zurück.

Nach dem Frühstück geht es los. Die Fahrt über Bautzen, Bischofswerda, Dresden und Freiberg ist herrlich. Strahlender Sonnenschein, viele Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke, ein angenehmes Reisetempo von etwa 90 km/h und ein atemberaubender Verbrauch von 4 Litern. Und obendrein 2 Stunden lang der Duft von 3 Zweitaktern in der Nase.

Eine dufte Truppe. :)

Eine dufte Truppe. 🙂

Hmm, nun ja, das hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber das gehört halt dazu. Wer unter uns ohne Zweitaktfahne ist, werfe das erste Stück Ölkohle. 🙂

Da wir nirgends zwecks Kartelesen anhalten müssen, tut mir schon nach kurzer Zeit gehörig der Hintern, der Rücken, die Arme und der Hals weh. Nichts wirklich Neues, aber deshalb trotzdem nicht angenehmer.

In Chemnitz (für die Älteren: Karl-Marx-Stadt) trennen sich unsere Wege. Nochmals Danke für die entspannte Reise! Auf dem Weg zur Autobahn mache ich etwas, was ich schon immer machen wollte: Ich besuche den „Nüschl“. Also das Karl-Marx-Monument. Ich wusste ja, dass der groß ist. Aber soooo groß. Monument ist nicht untertrieben. Kackfrech parke ich mein Moped direkt davor auf dem Gehweg und mache Beweisfotos.

"Nüschl."

Zweitaktfahrer aller Länder, vereinigt Euch!

Nachdem ich damit fertig bin, stelle ich mich mental auf den Rest der Fahrt ein. Zwei Stunden Autobahn unter schlimmen Schmerzen, aber immerhin ist das Ende greifbar. Was soll da schon schiefgehen?

Nun ja, Petrus kann meiner ostalgischen Gefühlsduselei wohl nichts abgewinnen und straft mich mit plötzlich einsetzendem Starkregen. Noch auf der Autobahnauffahrt muss ich anhalten und die Regenkombi anziehen. Nun hat man als Motorradfahrer bei Regen generell nicht viel zu lachen. Sitzt man dabei aber auf meinem Racer, möchte man sofort losheulen. Warum?

Ich kann den Racer nur mit ganz flachen Schuhen fahren. Mit Stiefeln komme ich nicht unter den Schalthebel. Außerdem wird durch die dicke Sohle der Kniewinkel so spitz, dass mir die Füße einschlafen. Kein Witz. Ich trage deshalb Chucks. Safety first.

Nass. Kalt.

Nass. Kalt.

Das Problem: Die saugen sich in Sekunden voll. Aber im Gegensatz zu vollgelaufenen Stiefeln, in denen sich das Wasser mit der Zeit durch die Körpertemperatur aufwärmt, sind die Chucks so dünn, dass der Wind sie permanent auskühlt. Ich habe also nicht nur nasse Füße, sondern auch eiskalte Füße. Was immerhin gut zu meinen Händen passt. Meine dünnen Sommerhandschuhe haben nämlich den gleichen Effekt, färben aber zusätzlich noch violett ab. Nasse, eiskalte Füße. Nasse, eiskalte, violett gefärbte Hände. Herrlich.

Nass. Kalt. Blau.

Nass. Kalt. Violett.

Da der Racer keine Verkleidung hat, sitzt man direkt im Regen. Die Autos vor einem überschütten einen mit eimerweise Gischt. Das Visier ist voller winziger Tropfen. Man sieht nichts. In Worten: NICHTS! Also versucht man, es mit der Hand sauberzuwischen. Und man merkt, dass die meisten Tropfen innen am Visier sitzen und man nichts dagegen machen kann. Und wenn man denkt, jetzt kann es nicht schlimmer werden, beschlägt das Visier auch noch. Man klappt es also leicht hoch, um für Luftzirkulation zu sorgen. Sekunden später ist auch die Brille voller Tropfen. Innen und außen. Und man kann nichts dagegen machen. Und man will heulen, befürchtet aber noch mehr Tropfen auf der Brille und lässt es deshalb lieber.

Und während man mit Visier, Brille und Tränen kämpft, taucht aus der Gischt plötzlich ein polnischer LKW auf und man schafft es nur mit Mühe, nicht hineinzuknallen. Man fährt jetzt also hinter einem asthmatischen LKW her, der bergauf 60 fährt und bergab kaum schneller. Was tun? Überholen? Bei dem Sauwetter? Ein Blick in den Rückspiegel zeigt – Gischt. Sonst nichts. Ein Blick über die Schulter? Naja, die 20 Meter hinter mir sind frei. Aber dahinter? Keine Ahnung. Also Blinker an, 20 Sekunden blinken, noch ein verzweifelter Schulterblick und rüber. Luft anhalten, festhalten und auf den Einschlag von hinten gefasst machen. Es kommt nichts. Glück gehabt. Also überholen, rechts rüber und sich auf den nächsten polnischen LKW gefasst machen.

Ich kürze an dieser Stelle etwas ab. Nachdem sich dieses Spiel ein paar Mal wiederholt hat, finde ich mich mit der Situation ab. Alles tut weh, ich bin kalt und mir ist nass (oder anders herum?), ich sehe nichts und da ich mit dem Racer noch nie bei solchem Regen unterwegs war, habe ich keine Ahnung, wie lange die ungeschützte Elektrik und der offene Luftfilter dem Wolkenbruch standhalten. Tja, so ist es halt. Immerhin kann es nicht mehr schlimmer werden. Denke ich.

Und in dem Moment leuchtet in der Gischt vor mir ein Heer von Warnblinkanlagen auf. Und ich will nur noch schreien. Der Stau geht bis zum Horizont und steht fast still, es schüttet, mein Motor saugt hustend am nassen Luftfilter, mir ist kalt, alles tut weh und ich würde lieber sterben als mich jetzt hier in den Stau zu stellen.

Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten

Also fahre ich mit knapp 30 auf dem Standstreifen vorbei. Sollte mich jetzt ein Polizist anhalten, würde ich in sein Auto steigen und mich dort verschanzen. Zur Not gestehe ich die Entführung des Lindbergh-Babys oder so und lasse mich festnehmen. Solange ich nur nicht wieder raus in den strömenden Regen muss.

Nach ein paar Kilometern endet der Standstreifen in der Abfahrt Plauen und ich deute dies als Wink des Schicksals. Von Plauen gibt es bestimmt ein schöne Landstraße nach Hof und von dort finde ich zu meinen Eltern. Langsamer als auf dem Standstreifen wäre das sicher auch nicht. Das Navi habe ich eh noch im Ohr, Google wird mir den Weg schon weisen.

Google spielt das Spiel mit und führt mich kilometerweit über rutschige Dorfstraßen. Habe ich schon erwähnt dass mir kalt ist, alles weh tut und der abgefahrene Hinterreifen nur am Rutschen ist? Gerade als ich mir denke, dass es sich anfühlt, als führe ich im Kreis, stehe ich vor einer Autobahnauffahrt. Genau der, von der ich vor einer Viertelstunde abgefahren bin. Ich schreie. Danke, Google!

Voll abgefahren. Quadratisch, praktisch, gut.

Voll abgefahren. Quadratisch, praktisch, gut.

Also (mal wieder) Augen zu und durch bzw. zurück auf die Autobahn. Auf der Standspur an den Autos vorbei, die ich schon mal passiert habe. Irgendwann wird aus den verbliebenen zwei Fahrspuren eine und ich muss mich einreihen. Aber wenig später ist die Baustelle endlich vorbei und der Stau löst sich auf.

Freude will sich trotzdem nicht einstellen. Die Schmerzen im ganzen Körper werden immer größer und ich rutsche verzweifelt auf dem Motorrad rum. Beine ausstrecken, Arme schütteln, Kopf drehen, auf den Tankrucksack legen – nichts hilft.

Nass. Kalt. Schmutzig.

Nass. Kalt. Schmutzig. Ich sah nicht besser aus.

Der Wahnsinn ist nur eine schmale Brücke

Ich fange an zu pfeifen, um mich abzulenken. Nur leider funktioniert das bei Gegenwind nicht richtig. Also singe ich. Als Vater zweier Kindergarten- bzw. Krippenkinder fallen mir aber nur Kinderlieder ein. Also singe ich im strömenden Regen mitten auf der Autobahn das Lied von der kleinen Raupe Ursula. Nein, ich singe nicht. Ich brülle es aus voller Kehle. Eine Black-Metal-Version der kleinen Raupe Ursula. Nur das Ende des Refrains fällt mir partout nicht ein. Ich singe ihn immer wieder und wieder und gebe irgendwann entnervt auf.

Die Schmerzen treiben mich fast in den Wahnsinn und ich müsste dringend eine Pause machen. Aber ich habe nur noch etwa 40 Kilometer vor mir und es ist weit und breit kein Parkplatz zu finden. Also weiter.

Schon seit Längerem stöhne und ächze ich immer wieder mal, wenn die Schmerzen zu groß werden. Dann muss ich an die Geburt meiner zwei Kinder denken und wie meine Frau die Schmerzen „weggeatmet“ hat. Ich versuche das auch. Gepresst atmen, frei atmen, hecheln, ganz bewusst atmen. Völliger Schwachsinn, es bringt einfach nichts. Ich bin mir sicher, dass die Schmerzen einer Geburt so schlimm nicht sein können. Im Vergleich zu meiner Tortur (Tortour?) ist das bestimmt lachhaft. Die Geburts meines zweiten Sohnes hat keine 2 Stunden gedauert. Ich hingegen sitze insgesamt schon ca. 15 Stunden auf dieser Folterbank. Ob ich mir für meine nächste Tour eine Periduralanästhesie verschreiben lassen kann?

15 Kilometer später fahre ich endlich in Münchberg von der Autobahn ab.

Regenwolken im Fichtelgebirge.

Regenwolken im Fichtelgebirge.

Beim Absteigen am Ziel reißt ein Riemen an meinem Rucksack. Was, wenn das während der Fahrt passiert wäre? Ich gehe sofort in die heiße Badewanne.

Das Verrückte: Nach 5 Minuten ist alles wieder bestens. Die Sonne scheint, die Schmerzen sind weg, ich könnte direkt wieder aufsteigen. Wenn ich wollte, könnte ich heute noch die restlichen 180 km nach Würzburg fahren.

Ich lasse es lieber.

Fazit Tag 3:

  • 320 km Landstraßen und Autobahn
  • etwa 6 Stunden Fahrtzeit
  • Schmerzlevel (auf einer Skala bis 10): 1 Milliarde. Mindestens. Wenn nicht mehr.

Tag 4: Fichtelgebirge – Würzburg

Quelle: www.google.de/maps

Es regnet die ganze Nacht. Am Morgen ist alles nass und die tiefhängenden und -schwarzen Wolken verheißen nichts Gutes. Ich entscheide mich deshalb für die Kurz-und-schmerzhaft-Variante: 180 km nonstop über die Autobahn nach Würzburg. Die Regenkombi ziehe ich sicherheitshalber gleich an.

Noch mehr Regenwolken im Fichtelgebirge.

Noch mehr Regenwolken im Fichtelgebirge.

Die erste Stunde verläuft relativ problemlos. Es ist trocken, die Straße frei und die MZ läuft einwandfrei 120 km/h. Und auch die Schmerzen halten sich in Grenzen. Vielleicht sind jetzt endgültig alle Nerven in meinem Allerwertesten abgestorben? An einer Raststätte mache ich kurz Pause und ein paar Fotos.

Raststätte Schwarzer Berg. Hier war ich noch guten Mutes.

Raststätte Schwarzer Berg. Hier war ich noch guten Mutes.

Als ich losfahren will, springt der Motor nicht an. Ich kicke und kicke und kicke. Kein Mucks. Ich gehe alles durch: Die Zündung ist an, die Batterie hat Saft, Sprit ist auch da. Ich kicke und kicke und kicke. Kein Mucks. Also Rucksack und Helm ab. Ich kicke – sie läuft. Als wäre nichts gewesen. Meine MZ beliebt wohl zu scherzen?! Da mir nicht nach Streit zumute ist, fahre ich los.

Man soll den Tag nicht vor der Panne loben.

Wenig später kurz vor Schweinfurt passiert es. Ich überhole gerade ein Wohnmobil, dicht gefolgt von einem Transporter. Plötzlich ist schlagartig der Motor aus. BRÖÖÖÖÖööööööööööööoooooooom. Ich drehe den Benzinhahn auf Reserve, aber bei halbvollem Tank bringt das erwartungsgemäß nicht viel. Ich hantiere wie wild, der Wohnmobilfahrer erkennt die brenzlige Situation zum Glück sofort und bremst. Ich fahre auf den Standstreifen und halte an. Zündung, Spannung, Sprit. Alles passt. Ich kicke und kicke und kicke. Kein Mucks.

Der Blinker geht. Der Motor nicht.

Der Blinker geht. Der Motor nicht.

Da es nur 200 Meter zur Ausfahrt Gochsheim sind, schiebe ich das Motorrad von der Autobahn. Und jetzt? Sichtkontrolle Steckverbindungen, Kerzenstecker etc. Nach ein paar weiteren erfolglosen Startversuchen rufe ich den ADAC. Da das erfahrungsgemäß dauern kann, mache ich ein paar Fotos. Ich bin erstaunlich gut drauf. Immerhin regnet es nicht. 🙂

Sieht gut aus. Läuft aber nicht.

Sieht gut aus. Läuft aber nicht.

Ich warte und versuche immer mal wieder, den Motor anzukicken. Ein paar Mal springt er tadellos an, geht aber nach wenigen Sekunden wieder aus. Ich tippe auf die Zündung. Vielleicht ist der Regen von gestern in irgendeinen Stecker gekrochen, hat dort über Nacht gearbeitet und sorgt jetzt für Korrosion und Kontaktprobleme. Um das Problem einzugrenzen, würde ich gerne mal die Zündkerze rausschrauben. Die hat schon knapp 10.000 km auf dem Buckel und ist möglicherweise am Ende ihres Lebens angekommen. Außerdem wäre es gut zu wissen, ob ein Funke da ist.

Während ich warte, halten drei hilfsbereite Autofahrer. Ein freundlicher Handwerker, der leider kein passendes Werkzeug dabei hat. Ein geschniegelter Anzugträger mit überraschender Fachkenntnis. („250er Motor. Also ein 21er Kerzenschlüssel. So einen habe ich leider nicht dabei.“) Und ein Trabifahrer, der eine Tasche Werkzeug dabei hat, aber leider keinen passenden Kerzenschlüssel. Immerhin Ersatzkerzen, mit denen ich den Zündfunken testen kann. Ergebnis: So gut wie nicht vorhanden.

Zweitakterfahrer müssen zusammenhalten.

Zweitakterfahrer müssen zusammenhalten.

Als ich testweise kicke, springt der Motor an und läuft. Und läuft. Und läuft. Der Trabifahrer freut sich und fährt weiter. Ich hingegen traue dem Frieden nicht. Was soll ich tun? Dem ADAC absagen und weiterfahren? Was, wenn der Motor nach 100 Metern wieder ausgeht? Ich warte sicherheitshalber 10 Minuten. Der Motor läuft immer noch tadellos im Standgas. Ich rufe den ADAC an und sage ab. Ich schalte das Licht an. Der Motor geht aus. Ich schreie laut.

Nach ein paar Minuten läuft er dann wieder und ich fahre ohne Licht und weitere Verzögerung los. Ich komme mit nur einem Zündaussetzer bis nach Würzburg, aber am Ende der Autobahnabfahrt ist der Motor wieder schlagartig aus.

Sie steht. Mal wieder.

Sie steht. Mal wieder.

Ich kicke und kicke und kicke. Nichts zu machen. Plötzlich hält ein Kradler in blau und neongelb mitsamt farblich passendem Moped neben mir – ein Stauhelfer. In der Aufregung vergesse ich ganz zu fragen, von welchem Verein er kommt. Die Aufschrift „Freund und Helfer“ auf dem Motorrad spricht für die Polizei, aber ansonsten sind keine Wappen oder Hoheitszeichen vorhanden. Vielleicht Johanniter oder so? Ist ja letztlich auch egal. Er ist jedenfalls sehr nett und hilfsbereit.

Ich beschreibe das Problem und er meint nur „Ich hole mal mein Werkzeug.“ Meine Freude verpufft schnell, als ich sein Werkzeug sehe. Eine Handvoll Schraubenschlüssel und eine Ratsche sowie sein eigenes Original-Bordwerkzeug. Ein 21er-Zündkerzenschlüssel ist natürlich nicht dabei. Ich kicke testweise – sie läuft. Also gleiches Spiel wie vorhin: Herzlichen Dank und los.

Am Ziel. Und am Ende.

Am Ziel. Und am Ende.

Eine Viertel Stunde später stehe ich in meiner Garage und bin darüber so froh wie selten zuvor. Ich bin müde und mir tut alles weh, das Motorrad ist schmutzig und läuft nicht richtig. Aber wir sind angekommen. Man könnte die Tour also als Erfolg bezeichnen. Irgendwie.

Hier übrigens die Zündkerze. Für meinen Geschmack etwas zu hell. Dabei war sie sonst immer etwas zu dunkel. Möglicherweise ist das Gemisch durch den nassen Luftfilter abgemagert? Aber ob das wirklich die Ursache für die Zündprobleme ist? Ich werde mich demnächst auf die Fehlersuche begeben.

Rehbraun?

Rehbraun?

Fazit Tag 4:

  • 180 km Autobahn
  • etwa 4 Stunden Fahrtzeit
  • Schmerzlevel (auf einer Skala bis 10): 1-2

Fazit

Tja, Fazit. Ich bin auf meinem Racer laut Tacho 1.044 km gefahren. (Wenn das mit der Tachoabweichung von 7% stimmt, könnten es auch über 1.100 gewesen sein.) Ohne Werkzeug, quer durch ein Land, dessen Sprache ich nicht spreche, und stundenlang durch strömenden Regen.

Ich könnte jetzt einen auf dicke Hose machen und was von „Nur die Harten kommen in den Garten“ schwafeln. Aber das wäre Quatsch. Es war streckenweise wirklich die Hölle. Und manchmal sogar kreuzgefährlich. Sich freiwillig solchen Qualen und Gefahren auszusetzen ist nicht heldenhaft, sondern einfach nur dumm. Ich werde sowas nie wieder machen. Nicht mit einem Motorrad, das für so eine Reise völlig ungeeignet ist.

Sonnenuntergang

Licht und Schatten. Naja, mehr Schatten als Licht.

Andererseits war es eine wirklich interessante und sehr intensive Erfahrung. Eine Herausforderung. Ein Erlebnis, an das ich sicher noch in Jahren zurückdenken werde. Etwas, das man einfach mal gemacht haben muss. Einmal. Und dann nie wieder. 😉

 

Update 22.12.2016:
Ich habe zur besseren Orientierung Karten der Tagesetappen eingefügt.

 

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Martin

Martin

Schraubt gerne an seinen Motorrädern rum. Wenn sie danach noch funktionieren, fährt er auch gerne eine Runde. Beides mit überschaubarem Können aber viel Herzblut.

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18 Gedanken zu „Selbst schuld

    • Es heißt ja „Sag niemals nie.“ Aber ich denke, es warten da draußen noch genügend Abenteuer auf mich, die auch ohne 4 Tage Schmerzen berichtenswert und unterhaltsam sind. 😉

  1. Ein kleiner Klugscheißerhinweis („ätsch!“):
    In Tschechien kosten die Autobahnen nur für Autos, für Motorräder kosten sie nichts.
    Ansonsten: ohne Worte / gute Besserung 😉

  2. Martin, ein toller Bericht!!! ich habe jeden Satz genossen, mitgelitten; aber auch immer wieder lachen müssen. Du armer Kerl! Aber wahrscheinlich muss man sich sowas mal geben um zu wissen, was man sicher nicht wieder machen wird. Oder doch … 😉 Da soll einer mal sagen, mit ´ ner Emme kommt man nicht immer wieder auch gut heim.

  3. Hallo Martin,
    ich bin jetzt 66 Jahre und erinnere mich noch immer meine Regenfahrten von 40 Jahre her.
    Vielen Dank für deine Erzählungen, vieles stimmt mit meine Erfahrungen überein.
    Habe pausenlos gelesen, die Schmerze wieder gefühlt aber auch viel genügn gehabt!!!
    Danke!!!
    Paul Kommer, Hoogkarspel, Nederland

  4. Hi,
    you never walk alone. Oder so ähnlich.
    Schon mal nachts um 2 wegen dichten Schneetreibens auf der Rhön-Autobahn Autofahrer um MItfahrgelegenheit zum nächsten Bahnhof angebettelt? Nein? Dann kennst du noch nicht alle Bekloppten.

  5. Wahnsinn richtig gut geschrieben, und was für ein Zufall, demjenigen der die E-Schwalbe gebaut hat, hat auch damals mein Motor regeneriert und wir wohnten in der gleichen Stadt. Zufälle gibts.

    Gruß

  6. ey geil 😀 musste auch öfter lachen !!! Richtig gut geschrieben und hätte soogar bock auf mehr Stoff zum lesen von dir !

    kenne diese touren von meiner ETZ250 ….
    Heimzus etwas mehr Speed gemacht auf der Landstraße um vor Gewitter mit Hagel (im SOMMER!) zu entkommen. Beim Überholen eines Wohnmobils plötzlich – zack! Motor aus. Klemmer.

    Und noch 30km bis heim. Tja, is schon manchmal echt ne Herausforderung mit den alten Maschinen. Speziell unter Zeitdruck!

    Wenn du mal wieder in der Zittauer Ecke bist, gib bescheid. wohne nur 20-30km entfernt.

  7. Herrlicher Bericht!
    Man kann die Schmerzen förmlich mitfühlen.

    Erinnert mich an die ein oder andere Tour mit der 125er Mito damals!

  8. hmm….also hat sich seit 40 Jahren nichts geändert mit den Schmerzen und Regen und so.
    Klasse geschrieben,schön gelacht !!!
    Gruß ,Thomas aus HST (fischy).

  9. Lol… Super geschrieben. Ich habe stellenweise herrlich gelacht und du hast mir echt Leid getan. Solch eine Tortur auf sich zu nehmen ist schon ein Ding, allerdings hat man was erlebt und mit soviel Humor wie du hast geht es immer irgendwie weiter.

    Behalte diesen und habe noch viel Spass am Biken

    Gruß Emmely

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